SWISS-nest gibt den Rahmen vor.

Kostendruck und Fachkräftemangel zwingen IT-Unternehmen teilweise, ihre Entwicklungsarbeiten auszulagern. Das sei eine kurzfristige Denkweise und beachte nicht alle Kosten im Wertschöpfungsprozess, ist Armin Arnegger überzeugt. Er weiss seine Mitarbeitenden gerne unter einem Dach.

+ Nearshoring ist in aller Munde, wie stellt sich KMS zu diesem Thema?

Für die gesamte IT-Branche ist der immer grösser werdende Fachkräftemangel eine enorm grosse Herausforderung. Gemäss der ICT-Fachkräftestudie vom September 2018 werden in der Schweiz 2026 über 40‘000 Fachkräfte fehlen. Zur Info: Aktuell arbeiten in der Schweizer ICT-Branche 200‘000 Personen. Bei unserem Nachbarn Deutschland waren Ende 2018 über 82‘000 Stellen offen. Ende 2017 waren es noch 55‘000. Man sieht daran, wie sich die Situation verschärft. Am begehrtesten sind übrigens Software-Entwickler. Mit der Digitalisierung wird sich dieser Trend weiterhin verstärken.

Nearshoring ist eine Frage der Strategie. Kurzfristiges Auslagern von Projekten ins Ausland bringt wenig. Einen Nutzen hat man nur dann, wenn man Nearshoring langfristig macht. Dies kann bei einer Wachstumsstrategie Sinn machen. Grundsätzlich muss dies jedes Unternehmen selber entscheiden. Sicherlich sind mögliche Kostenvorteile bei den Entwicklungsressourcen verlockend, gerade aktuell, wo es aufgrund des andauernden IT-Fachkräftemangels immer anspruchsvoller wird, offene Stellen zu besetzen. Trotzdem: Wir in der KMS machen weder Off- noch Nearshoring. Und auch in Zukunft ist dies nicht geplant!

+ Dank Nearshoring liessen sich also Kosten sparen?

Vielfach betrachten Unternehmen nur die direkten Lohnkosten, vernachlässigen jedoch die viel höheren Kommunikationsaufwände, sprachliche und kulturelle Unterschiede, Risiken beim Datenschutz, Akzeptanzprobleme beim Schweizer Entwicklerteam, Risiken bei der gelieferten Qualität oder auch Fluktuationsrisiken in der Nearshoring-Organisation. Der Stundensatz betrifft nur einen Teil der Kosten. Wir betrachten jedoch die langfristigen Gesamtkosten.

Armin Arnegger trägt die Schweiz gerade auf beiden Händen und will die gesamte Wertschöpfungskette hier in der Schweiz lassen. Nearshoring ist für ihn kein Thema.

 

 

+ Du sprichst von diversen Risiken. Wie lassen sich diese minimieren?

Grosse Projekte bergen grundsätzlich immer Risiken. Wir betreiben jedoch ein aktives Risikomanagement. Das ist das eine. Andererseits sind wir auf Stufe der Bereichsleitung und sogar Geschäftsleitung sehr nahe am Projektgeschehen.

Zudem haben wir schon seit längerem in allen grösseren Projekten ein internes Projekt-Controlling (IPC) institutionalisiert, das jede zweite Woche tagt. Und schlussendlich ist es das persönliche Gespür, das oftmals Unstimmigkeiten sehr rasch erahnt, bevor ein Projekt in Schieflage gerät.

+ Wäre eine Auslagerung im sensiblen Nischenmarkt, in dem sich die KMS bewegt, aber grundsätzlich denkbar?

Ganz ehrlich: Wie hätten wir eine SELF-Transformation mit einem Entwicklerteam fern ab von uns geschafft? Die vergangenen Monate haben bewiesen, wie wichtig die Face-to-Face Zusammenarbeit in den crossfunktionalen Teams ist. Das gegenseitige Verständnis wächst und es entstehen Lösungen, die dank der verschiedenen Sichtweisen definitiv einen grösseren Kundennutzen haben. Der Austausch mit anderen Berufsgruppen bereichert den Alltag.

Zudem ist das Steuerwesen sehr komplex. Ich stehe schon an, wenn ich einem deutschsprachigen Nachbarn unser Steuersystem erklären muss. Wie sollen das Menschen, die in einer weit entfernten Kultur leben, verstehen?

+ Können Nearshoring-Projekte denn überhaupt erfolgreich sein?

Wenn man als Unternehmen die Strategie hat, Entwicklungsprojekte langfristig auszulagern, können solche Projekte unter gewissen Umständen erfolgreich sein. Ich bin seit über 25 Jahren im IT-Business tätig und habe ein entsprechendes Netzwerk. Nur sehr selten habe ich von erfolgreichen Near- und Offshoring Projekten gehört.

+ Swissness ist also im Trend?

Definitiv. Wir machen Software für Schweizer Steuerverwaltungen. Unsere Kunden fakturieren jährlich 70 Milliarden Franken in der Schweiz. Und unsere Mitarbeiter wohnen hier und sind somit auch Steuerzahler in der Schweiz. Die Wertschöpfung soll in unserem Land bleiben.