Grösstes IT-Projekt aller Zeiten.

Die Kantonale Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden hat 2011 eine neue integrierte Steuerlösung öffentlich ausgeschrieben. Im April 2012 bekam die KMS den Zuschlag. Aufgrund der Einsprache eines Mitbewerbers startete das Projekt ISAR erst drei Jahre später. Seit Ende Dezember 2016 ist nest nun produktiv im Einsatz – ISAR allerdings läuft weiter.

+ Jacques Oberli, Sie sind Leiter der Kantonalen Steuerverwaltung Appenzell Ausserhoden. Welche Bedeutung hat das Projekt ISAR auf politischer Ebene?

ISAR ist das bisher grösste IT-Projekt in unserem Kanton und das wird es wohl auch bleiben. Es beinhaltet nicht nur die Einführung von nest sondern auch die Inbetriebnahme diverser Umsysteme wie ein Dokumenten-Management-System (DMS), die Einführung der elektronischen Steuererklärung sowie einem Full-Scanning. Und ISAR hat nicht nur hinsichtlich Finanzen einen grossen Stellenwert sondern auch personell sowie für jeden einzelnen Steuerkunden.

+ Und welche Bedeutung hat es für die Kantonale Steuerverwaltung im täglichen Betrieb?

Eine immense Bedeutung. Wir haben unseren Mitarbeitenden die bisherigen vertrauten Werkzeuge weggenommen und sie ins kalte Wasser geworfen. Objektiv betrachtet schwimmen wir in diesem kalten Wasser schon recht gut, dafür gebührt allen Mitarbeitenden ein grosser Dank.

+ Der Produktionsstart liegt bereits mehr als zwei Monate zurück. Wie ist die Stimmung in Herisau?

Aktuell ist die Stimmung durchzogen. Ende Jahr – beim Wechsel auf nest – war die Spannung gross. Unterdessen haben wir Massenverarbeitungen wie die Steuererklärungen sowie die provisorischen Rechnungen versandt – erfolgreich. Der Versand von mehr als 4‘000 Veranlagungen vor ein paar Tagen nimmt uns voll und ganz in Anspruch. Wir bekommen viele Anfragen und decken Unstimmigkeiten auf, die wir in der Testphase nicht gesehen hatten.

+ Die Umstellung einer Software führt bei den Mitarbeitern immer auch zu Ängsten und Widerständen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Bei uns war schon lange klar: Die neue Software kommt und wir brauchen sie. Von dem her waren keine Widerstände spürbar. Und natürlich ist die Kommunikation sehr wichtig. Wir haben verschiedene Instrumente diskutiert und uns dann für regelmässige Informationsveranstaltungen entschieden.

Jacques Oberli, Leiter der Kantonalen Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden, war dankbar für die enge Projektbegleitung durch die KMS. Er selber weiss, wie viel psychologisches Geschick ein Projektleiter braucht.

+ Sie haben nicht nur eine neue Steuerlösung, sondern gleichzeitig eSteuern eingeführt. Von was profitieren Ihre Steuerkunden?

Sie profitieren im Moment von der Möglichkeit, die Steuererklärung elektronisch auszufüllen. eGovernment ist bei uns ein grosses Thema – vom Nachzügler zum Vorreiter. Unter diesem Motto sind wir ins Projekt gestartet. Unterdessen sind wir primär stolz darauf, den Stand der anderen Kantone aufgeholt zu haben.

+ Als Miteigentümer von nest prägen Sie die Zukunft der Software mit. Was sind Ihre Visionen?

Es ist uns sehr wichtig, unsere Anliegen einzubringen. Wir sind in allen Teilprojekten vertreten, stellen uns im Moment aber noch nicht als Pilotkanton zur Verfügung. Funktionen wie das neue Dashboard (My Nest) sowie der geplante zweite Teil des Refactorings über alle Fachapplikationen hinweg sind natürlich ganz in unserem Sinne. Ich selber habe die Vision von einer durchgängigen Lösung – von der Online-Erfassung des Steuerkunden bis hin zur Verarbeitung in nest.

+ Was schätzen Sie besonders an der Zusammenarbeit mit der KMS?

Als kantonale Verwaltung sind wir eher ein statischer Betrieb. Ein Projekt dieser Grössenordnung ist ein Ausnahmezustand und kommt vielleicht einmal in 50 Jahren – wenn überhaupt – vor. Wir sind keine Projektprofis. Bisher waren wir mit Pferd und Wagen unterwegs – jetzt haben wir ein Auto mit sehr viel mehr Funktionen bekommen. Wir waren völlig unerfahren im Umgang damit und brauchten entsprechende Begleitung.

Andreas Bosshart, Projektleiter der KMS, hat eine sehr grosse Flexibilität gezeigt und war stets lösungsorientiert. Wir haben es sehr geschätzt, mit wie wenig Bürokratie wir in diesem Projekt ausgekommen sind.

Und ich bin erstaunt über die Qualität der Migration. Wenn ich bedenke, dass wir 97 Prozent der Daten erfolgreich migriert haben, ist das ein Lob wert. In den ersten Wochen haben wir zudem diverse Fehlerlisten zur Bereinigung erhalten. Erstaunenswert, wie dies Fälle erkannt werden konnten.