Die papierlose Verwaltung.

Roland Vollenweider ruht sich noch nicht auf seinen Lorbeeren aus. Mit der Einführung von nest ist für ihn das Projekt ISAR noch nicht abgeschlossen. Er bleibt hartnäckig dran und träumt schon jetzt vom nächsten wichtigen Schritt: Der papierlosen Verwaltung.

+ Roland Vollenweider, innert Rekordzeit haben Sie die Steuerlösung umgestellt. Was hat zu diesem Drive geführt?

Wegen der Projektverzögerung zu Beginn, die durch die damalige Klage eines Mitbewerbers entstanden ist, haben wir unsere Mitarbeitenden hinsichtlich neuen Lösungsansätzen immer wieder vertröstet. Wir haben Innovationen in unserer Verwaltung ähnlich einem Schneepflug vor uns hergeschoben. Wir alle fieberten also schon lange einer neuen Steuerlösung entgegen.

Ursprünglich gingen wir davon aus, dass wir einzelne Lösungspakete von den bestehenden nest-Kantonen übernehmen könnten. Die KMS hat uns vorgeschlagen, dass wir alle Parameter von Grund auf erarbeiten, auch in Bereichen wie der Quellensteuer, die eigentlich zwischen den Kantonen stark harmonisiert sind. Wir haben festgestellt, dass unsere Ansprüche insbesondere bei der Darstellung der versandten Dokumente anscheinend sehr hoch sind. Aus diesem Grund haben wir Elemente, die sich in Vergangenheit bewährt hatten, bei der Einführung übernommen. Der Terminplan war dadurch sehr gedrängt. Wir wollten unsere beschränkten Mittel in der Einführung konzentrieren und nicht in einen teuren Parallelbetrieb investieren.

+ Wie haben Sie persönlich die Projektbegleitung durch die KMS wahrgenommen?

Unserer Erwartungen waren ganz klar: Der Lead sollte bei der KMS liegen. Wir sahen uns selber von Anfang an nur als Informationslieferanten. Als Gesamtprojektleiter in einem Projekt dieser Grössenordnung ist es oft notwendig, den Projektbeteiligten auf die Füsse zu treten, um Termine und Fristen einzuhalten. Andreas Bosshart hat mich dabei hervorragend unterstützt. Und ich habe immer wieder über sein breites Steuerfachwissen und die tiefe Kenntnis der gesamten Applikation nest gestaunt. Er hat sich stark engagiert und seine eigenen Mitarbeitenden eng geführt. Dadurch sind wir auf beiden Seiten zu Höchstleistungen aufgelaufen.

+ Haben Sie die Benutzer unterdessen schon an nest gewöhnt? Sind bereits erste Vorteile sichtbar?

Im Gesamtprojekt ISAR haben wir einen ersten Schritt gemacht. Der nächste Schritt, die Umstellung auf eine papierlose Verwaltung, steht noch an und wird derzeit geplant. Die konkreten Vorteile kann ich im Moment also noch nicht abschliessend beurteilen. Was bisher eindeutig ist: Durch die neue Schnittstelle zur Einwohnerkontrolle nach eCH-Standards müssen wir nicht mehr sämtliche Personenmutationen manuell kontrollieren.

Wir führen in Kürze die automatisierte Veranlagung (AVA) ein. Im Moment behalten wir also die 2016er Fälle zurück, um dann einerseits das Regelwerk zu erproben und andererseits effizienter zu werden. Ich gehe heute davon aus, dass wir mit der Einführung der AVA einen grossen Hebel in der Hand haben, um den Rückstand bei den Veranlagungen wieder aufzuholen.

Zudem haben wir noch nicht alle Prozesse abschliessend bis ins Detail definiert. Wir ziehen dafür unsere Mitarbeitenden bei und gehen einen Schritt um den anderen. Künftig werden wir zudem Power-User verstärkt einbinden, um die anderen User zu unterstützen. Soweit sind wir erst teilweise.

+ Das Projekt läuft bis Mitte Jahr weiter. Aktuell führen Sie die einzelnen Massenverarbeitungen ein. Welche Herausforderungen bestehen im Moment noch?

Unser Flaschenhals liegt im Moment im Testing der bevorstehenden Verarbeitungen. Und wir müssen unser internes Know-How für die Verarbeitungsprozesse erst noch aufbauen. In den bisherigen Applikationen hatten wir keine Eingriffsmöglichkeiten. Wir legen im Moment also viel Wert auf die Dokumentation und definieren die Stellvertretungen.

+ Die Einführung von nest wird per Mitte Jahr abgeschlossen sein. Wie sieht Ihre Rolle in Zukunft aus?

Die Einführung von nest kann planmässig per 30. Juni 2017 abgeschlossen werden, das Projekt ISAR geht noch weiter: Die Einführung des Full-Scannings und somit die Umstellung von Papier auf die elektronische Dokumentation stehen an. Weiter denke ich an die Optimierung bei der Umsetzung der Office-Anbindung. Und ich werde künftig als nest-Applikationsverantwortlicher tätig sein.